Feminism

wunschliste mit 30

“Was tun Sie”, wurde Herr K. gefragt, “wenn Sie einen Menschen lieben?” “Ich mache einen Entwurf von ihm”, sagte Herr K., “und sorge, daß er ihm ähnlich wird.” “Wer? Der Entwurf?” “Nein”, sagte Herr K., “der Mensch.”

– Bertolt Brecht, Wenn Herr K. einen Menschen liebte –

 

Ich will mir kein Bild machen von dir. Ich will, dass du bezeichnend bleibst. Ich will, dass du so bist, wie ich dich kennen lerne, nicht so, wie ich dich lieben lernte. Weil der Zauber des Anfangs verstellt meinen Blick, hebt dich hoch auf einen Sockel. Dort stehst du dann, unbeweglich, in Stein gemeißelt, tot. Ich will dich nicht erstarren lassen in meinem Blick wie in den alten Griechengeschichten.

Ich will dein Herz schlagen hören, mich freuen, wenn es manchmal synchron ist mit meinem, manchmal eben.

Glück ist ein Moment mit dir. Wenn ich wirklich bei dir bin, wenn wir uns wissend ansehen, ahnungsvoll berühren oder auch verwundert aufhorchen. Wenn du traurig bist und deine Tränen sich in meiner Gegenwart für dich nicht nackt anfühlen. Wenn du dich ärgerst und mir damit zeigst, dass du dich reiben willst an mir, dass es Grenzen gibt zwischen uns.

Auseinandersetzung gegen das Aufeinanderhocken.

Ich will, dass du deine Liebe teilst. Dass du Liebenswertes in Dingen findest, die ich ablehne. Dass wir durch unsere Augen tiefer schauen als alleine. Dass ich mich durch deinen Blick wirklich neu entdecke, auch dort, wo die Sonne nicht scheint.

Du bist mein engster Vertrauter, mein Spielkamerad, mein Lehrer und vielleicht mein ärgster Feind. Ganz einfach, weil du so nah bist. Ich will dich nicht rahmen, dir keine Grenze geben, sondern wissen, wo du deine ziehst. Ein Nein soll nicht sagen, wo du aufhörst, sondern wo ich anfange. Soll nicht zwischen uns, sondern für sich stehen. Komm runter. Wir gehen.

 

Ich will mit dem gehen, den ich liebe.

Ich will nicht ausrechnen, was es kostet.

Ich will nicht nachdenken, ob es gut ist.

Ich will nicht wissen, ob er mich liebt.

Ich will mit ihm gehen, den ich liebe.

– Bertold Brecht –

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