Allgemein, Poetry

frz. rosé beim asiaten

Das Telefon klingelt

War die Suppe scharf genug

Ein alter Mann starrt durch seine

Lesebrille

In eine leere Ferne

Seine Frau schnattert

Unter ihrem knittrigen

Sonnenhut um die Wette

Mit seinen Gedankenkreisen

Dreht sich dabei ebenfalls um sich

Ganz so wie der Säugling im

Kinderwagen

Nach seiner Mutter ruft die

Nach Primark Ausschau hält

Auf Wunsch auch vegetarisch sagt

Der Kellner als kenne er

Meine Beißhemmung

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Allgemein, Poetry, Writing

fünfviertel

An deinem Traumbild

Zerschellten Millionen

Du

Bautest sie in die Höhe

So laut

Stößt du ihre Namen

Um

Aus deinen Vierteln

Erfindest du dich neu

Schaust niemandem

Auf die Füße

Der Weg hierher ist egal

Gleich deinem zerteilten Wesen

Du singst wie

Eine Säge

Von Funken stählerner Hoffnung

Und verglühenden Sternen

Umherstreifender

Ungeheuerlich

Vergilbt und geweißt

Nie aufgeräumt

Kratztest du stets

An Fassaden

Bunt, glucksend, hupend

Vorbei aus Stein

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Poetry, Writing

16

erschienen in
‘The Transnational Vol. 5’

 

1517047627

 

Aus dem Morast gröhlt es

Pausenlos grell

Licht ins Gesicht

Vereng mir den Blick

Ich will nur das weiß-schwarze Nachbild

Ich will all mein Geld für die Nachwelt

Ich will eine Miniaturwelt

Mit Uff-Tata.

Der Muffti da

Passt nicht ins Bild.

Der Mob wird wild

Links und rechts scharrt der Stier mit den Hufen

Und Frau Europas Hilferufen

Verweigert sich das taube Ohr

Betäubt

Das war kein Lachgas

Ich summe euch die Moorsoldaten.

 

 

A bellow from the swamps

Incessant and bright

Blinded by light

Narrow my sight

I want the mere afterimage, white and black

I want all my money for my heirs, neatly stacked

I want my world to be small and intact

With yee-haw and cheers.

The Muffti right here

Does not play by ear.

The mob’s up for a fight

The bull stomps with his hooves, both left and right

And Lady Europa’s cries of plight

Fall on deaf ears

Stupefied

That was no laughing gas

I hum to you the Peat Bog Soldiers.

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Poetry

dichterliebe

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Siegfried Buck (Hrsg.), Bausteine Deutsch, Diesterweg 1985

Wie verliebt man sich in einen Dichter? Ich habe mein Herz an Heinrich Heine verloren, als ich gerade erst wusste, dass ich eins habe, dass jeder eins hat und dass es aufhören kann zu schlagen. In der vierten Klasse, Dienstag, dritte Stunde Kunst. Ich hatte meinen Farbkasten vergessen. Um mich zu beschäftigen (und wohl auch zu Disziplin zu mahnen), musste ich abschreiben. Während die Anderen mehr oder minder Kunstvolles schafften, sollte ich Heine vom Papier meines Deutschbuches auf meines bringen. Und dies ohne den Tintenkiller zu benutzen. Meine Lehrerin hatte wohl doch den Plan, es solle kunstvoll sein. Oder vielleicht dachte sie auch, es hielte mich auf diese Weise länger auf, würde mich doch jeder Schreibfehler wieder zurück auf Los setzen. Nun gut. Heine also. Altes Kaminstück. Es war Sommer.

Ab der ersten Zeile schon folgte ich ihm, ließ weiße Flocken aufziehen, Stürme mit Harlekinen tanzen und mich von Marmorgöttern grüßen. Wie das Kätzchen wärmte ich mich an ‘des Dichters Feur’. Wer auch immer dachte, mich damit bestraft zu haben, täuschte sich gewaltig. Für diese eine Kunststunde wohnte ich im Zauberschloss. Erst mit dem Klingeln spürte ich den Schmerz des heulenden Kätzchens. Die süße Zerstörung meines Paradieses, vergessene Farbkästen können schmecken wie Äpfel.

PS: Wer erraten hat, dass der Name des Blogs aus diesen Zeilen stammt, ist ein Genie und gehört gewürdigt. Ehre wem Ehre gebührt.

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